Esther Hunsmann 2001
Im sonnigen Südosten Frankreichs, eingerahmt zwischen der "klassischen" Provence, der Côte d'Azur und der Grenze zu Italien liegt dieser mediterrane Alpenteil. Tiefe Schluchten, smaragdgrüne Flüsse, karge Hochplateaus, klare Gebirgsseen, südländische Dörfer und der allesumhüllende Geruch eines Kräutergartens- das sind die Alpes Maritimes und die Haute Provence.
Bergtaugliche Schönwetterfreunde ab 13 Jahren. Während der östliche Teil der Alpes Maritimes durchaus seinem Namen gerecht wird und alpinen Charakter aufweist, würde ich dank des verlässlich guten Wetters dieses Gebiet insgesamt als Fahrtenziel mittlerer Schwierigkeitsklasse einstufen.
Klassisch: mit Bus & Bahn
Nachtzug ab Straßburg bis Aix-en-Provence, Cannes oder Nizza, anschließend Bus.
Nobel: Flugzueg & Bus (sehr teuer)
Mit dem Flieger bis Marseille oder Nizza, anschließend Bus.
Vielseitig: die ultimative Dreierkombination aus Bus, Bahn und Flugzeug
Hierbei fährt man mit der Bahn nach Straßburg, fliegt von dort innerhalb von einer Stunde nach Nizza und weiter geht's mit Bus oder Bahn. Diese Variante kann sich insbesondere für kleine Fahrtengruppen rechnen, die bei der Bahn nicht in den Genuß einer Gruppenermäßigung kommen. Die Strecke Straßburg- Nizza ist bei der Air France für Leute unter 26 Jahren teilweise schon ab 220 DM für Hin- und Rückflug zu bekommen.
Um den Bus als gemeinsame Endstrecke kommt man kaum herum. Ausnahmen bilden hier der "Train des Pignes", der die Strecke Nizza- Digne befährt und eine Nebenstrecke der SNCF, die von Nizza nach Cuneo (Italien) fährt.
Deutsche Bahn AG: http://www.bahn.de
SNCF: http://www.sncf.fr
Air France: http://www.airfrance.fr
Bus
Die Qualität und Quantität der Busverbindungen innerhalb des Fahrtengebietes ist recht unterschiedlich. Während in den Alpes Maritimes
die meisten Dörfer wenigstens einmal am Tag angefahren werden (wenn auch nicht unbedingt dann, wenn man gerade hin will), muß eine Busfahrt in der Haute Provence mit akribischer Sorgfalt geplant werden, da hier die Busse außerhalb der Nationalstrassen -wenn überhaupt- bestenfalls ein- bis dreimal wöchentlich verkehren. Im Zweifelsfall ist davon auszugehen, daß der gewünschte Bus nicht fährt.
Zug
1. Die Bahnstrecke Nizza- Cuneo (Italien) eignet sich insbesondere für Fahrten in den Mercantour- Nationalpark. 2. Der "Train des Pignes" (Pinienzapfenzug) fährt viermal täglich von Nizza nach Digne und zurück und wird von den Chemins de Fer de Provence betrieben und ist somit nicht auf der Hompage der SNCF zu finden. Eine Fahrt mit diesem Nostalgie- Baehnchen ist eine Attraktion für sich.
Trampen
Ist im Gegensatz zur Côte d'Azur im "Hinterland" kein Problem - vorausgesetzt es kommt ein Auto. "Faire du stop" hat außerdem den positiven Nebeneffekt, daß man leicht mit der Bevölkerung ins Gespräch kommt. Für ältere Fahrtengruppen das geeignetste Fortbewegungsmittel außerhalb der eigenen zwei Beine.
Die Haute Provence bildet den Übergang von den lieblich anmutenden Erhebungen der "klassischen" Provence (die dennoch die 1000m- Marke überschreiten können) in die Alpes Maritimes (Seealpen), welche in ihrem Hauptkamm an der Grenze zu Italien einige 2800er Gipfel aufzuweisen haben. Damit zeichnet sich diese Region durch seine Vielfalt an Wandermöglichkeiten abhängig von Kondition, Jahreszeit und Alter der Fahrtengruppe aus. Es besteht ein dichtes Netz von gut markierten Wanderwegen.
Die beste Trinkwasserquelle ist der Dorfbrunnen, den es in jeder Siedlung gibt. Bäche, Flüsse und Seen können natürlich ebenfalls "angezapft" werden, auf die tatsächliche Existenz von auf der Karte eingezeichneten Quellen und Bächen ist aber insbesondere im Sommer kein Verlaß!
Die extreme Trockenheit ist in der gesamten Region ein Riesenproblem. Die Suche nach Feuerholz wird dadurch zum Kinderspiel. Doch die Sache hat einen Haken: Aufgrund der Dürre verwüsten Flächenbrände hier jedes Jahr zigtausend Hektar Land, weshalb offene Feuer überall strengstens verboten sind. Entsprechende Hinweisschilder finden sich bei jeder Gelegenheit und sind selbst auf die Wanderkarten gedruckt. Während ein kleines Kochfeuer unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen im März und April meist noch möglich ist, muß ich im Sommer ausdrücklich davon abraten! Hier gehört auf jeden Fall ein Kocher ins Gepäck.
Wildes Zelten ist verboten, wird aber i.d.R. von der einheimischen Bevölkerung wohlwollend toleriert. Dies aber auch nur solange, wie kein Feuer gemacht wird! Im Parc National du Mercantour sollte man sich auch ohne Feuer lieber nicht beim Zelten erwischen lassen.
Fast jedes Dorf verfügt über einen Tante-Emma-Laden, in dem vom Apfel bis zum Klopapier alles erhältlich ist, wenn auch nicht gerade zu Dumping- Preisen. Zu beachten ist die mittägliche Siesta zwischen 12 und 16 Uhr, die strikt eingehalten wird. Dafür sind die Läden meist bis 20 Uhr und auch am Sonntag geöffnet.
Während auf Vollkornbrot und Müsli vorübergehend verzichtet werden muß (es sei denn, man importiert es), kann man hier nach Lust und Laune in den unterschiedlichsten Richtungen von Baguette und Käse schwelgen. Insbesondere der Schafs- und Ziegenkäse (chèvre), sei hier empfohlen. Das französische Baguette überzeugt nicht nur durch seinen unverwechselbaren Geschmack, sondern mindestens ebenso durch seine umfangreichen Einsatzbereiche: Nach zwei Tagen Lagerungszeit ist es durchaus einen Versuch wert, das alte Baguette als Kothenkreuz zu verwenden.
Französisch, einfachste Grundkenntnisse reichen aus. Ganz ohne geht es bestimmt auch, es ist aber nicht davon auszugehen, daß Englisch oder Deutsch überall verstanden geschweige denn gesprochen werden.
Für die Haute Provence und die mittleren Höhen sind Frühling und Herbst die beste Jahreszeit, da die Temperaturen dann verläßlich warm sind uns es kaum regnet (unbedingt eine kurze Hose mitbringen, auch wenn es zu Hause noch schneit und man es sich beim besten Willen nicht vorstellen kann!). Bis Anfang März muß allerdings noch mit Schneefall gerechnet werden.
Im Sommer, wenn in den tieferen Lagen Backofentemperaturen die Schweißdrüsen an die Grenzen ihrer Produktionskraft treiben, ist die Zeit für das Haut Pays gekommen (Grenzregion zu Italien, beinhaltet den Mercantour Nationalpark), welches meist bis Ende April mit Schnee bedeckt ist.
Im gesamten Fahrtengebiet können sich Freunde von leichten Rucksäcken insbesondere ab Mai ernsthaft überlegen, ob sie nicht die Kothe lieber zu Hause lassen und sich im unwahrscheinlichen Falle eines (Regen-)Falles (Anzahl der Regentage im Juli: 2) in eine der unzähligen verlassenen Almhütten zurückziehen wollen.
Wanderkarten mit dem Massstab 1:50.000 gibt's beim Verlag Didier Richard, Blaetter 19 "Haute Provence, Verdon", 9 " Mercantour, Massiv et Parc National" und 26 " Pays d'Azur". Sie sind entweder in Deutschland zu bestellen oder vor Ort erhältlich. Spezielle Wanderführer fuer die Region gibt es haufenweise. Sie sind aber weder nötig noch besonders hilfreich, da sie meist nur Tagestouren enthalten.
Besonders hervorzuheben sind zwei Ziele, die sich aber nur dann zu einer zweiwöchigen Fahrt verbinden lassen, wenn man zwischendurch auf motorisierte Verkehrsmittel umsteigt:
Erstens die Gorges du Verdon, der Grand Canyon Frankreichs, mit spektakulären Ausblicken in die bis zu 700m tiefe Schlucht und den angrenzenden Lac Sainte Croix, der zum Baden einläd.
Zweitens das weiter östlich liegende Mercantour-Massiv im gleichnahmigen Nationalpark. In dieser alpinen Gegend finden sich im "Vallée des Merveilles", dem "Tal der Wunder", neben zahlreichen blau-schimmernden Seen Felsenzeichnungen aus der Bronzezeit.
Leider sind diese beiden Ziele keine Geheimtips mehr und zu Stoßzeiten werden sie geradezu von Touristen überschwemmt. Ende März hatten wir jedoch selbst die Verdon-Schlucht weitgehend für uns. Weitere weniger bekannte Highlights dieser Gegend sind das Roya-Tal sowie die Täler entlang der Vésubie, der Tinée und des Cians.
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Esther Hunsmann (esther.hunsmann*at*gmx.de)
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Das Expeditionsteam
Wanderrouten für die Alpes Maritimes und Haute Provence
-keine Wanderrouten vorhanden-
Reiseberichte für die Alpes Maritimes und Haute Provence
-keine Reiseberichte vorhanden-
Literaturtipps für die Alpes Maritimes und Haute Provence
-keine Literaturtipps vorhanden-
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