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Italien

Toskana Reisebericht

Kai Klinge 2007

Radtour in der Toskana – August 2006

Heute würden wir wohl beide nicht mehr fliegen. Damals, vor einem Jahr, jedoch buchte ich bei HLX einen Flug vom Dienstag, 22. bis Sonntag, den 27. August 2006 von Hannover nach Pisa – mit Fahrrädern. Und das Ganze dann – so pervers ist heute ja fliegen- für je 140,-€ pro Person. Ich kann an der genutzten Leistung nichts bemängeln, jedoch die Klimabilanz ist natürlich katastrophal.

Nun denn, es soll hier mehr um die Tour gehen.

Unser Plan war, das Dreieck Pisa, Siena, Florenz und wieder Pisa abzufahren, was uns auch gelang. 350km in 5 Tagen.* Zur Not hätte man die letzte Etappe Florenz-Pisa auch Zug fahren können. Sollte man vielleicht auch.

1.Tag: 22.08.06, Dienstag

Angekommen in Pisa, einen kleinen direkt an die Stadt angrenzenden Flughafen „Galilei“, hieß es, unsere Räder –, die in alten Fahrradkartons aus Fahrradläden steckten- zusammenzubauen. Die Kartons waren sogar noch gut davon gekommen.
Das Wetter war uns hold, die ganze Woche übrigens, bis auf die letzte Nacht!

Angenehme 23°C begrüßten uns auf dem Weg aus Pisa raus, ja, irgendetwas sagte uns, Pisa wäre zumindest jetzt nicht richtig. Wir versteckten unsere Fahrradkartons gefaltet (Depotmiete im Flughafen ca.40€ für 5 Tage!) unter der Stadtautobahnbrücke 1km vom Flughafen. Leider nahmen wir eine größere Straße (Via Aurelia, SS1) nach Süden und die Laster, die teils nur 30cm an uns vorbeidonnerten, sagten uns unmissverständlich, dass dies nicht mehr Deutschland, sondern Italien war. Nix wie weg hier!

Wir bogen ab auf kleinere Straßen, zunächst in der Arnoebene Richtung Südosten, aber genau zwischen den großen Straßen, die hier zusammentreffen, die eine aus dem Arnotal und die andere von Süden aus Livorno.

Hier begann die Klischee-Toskana! Liebliche Landschaft, schöne, alte Häuser, die sich in das Bild einschmiegen. Es tropfte vor Stil und Romantik. Und wir waren ohne unsere Damen unterwegs!

Collesalvetti, Fauglia, Crespina, Lari, Cevoli, Soiana, Morrona, Terricciola. Irgendwo hier haben wir in einer Tourifalle zu Abend gegessen! Die Bedienung ist die Frau des italienischen Kochs und stammt aus Berlin. Es gibt keine Salate und die Preise sind gesalzen. Wer auf unbegründet hohe Preise, kleine Portionen, pseudo-Stil und Gourmet-Getue steht, bitte! Die Lage, rechts der Straße im Ort, in einem Hof, einem malerischen (wie alle hier!) Haus, Atmosphäre trotz Plastikstühlen hat uns am ersten Abend -hoffnungslos unterzuckert- in die Falle gelockt. Es gab aber auch weit und breit kein einziges Restaurant! Pro Person 20€ mit einem kleinen Wein und „lecker, aber Nichtsattwerden“. Das war allerdings auch die einzige Falle, in die wir getappt sind. Fortan kauften wir täglich eine Flasche Chianti bei den Agrotourismo, die überall in der Landschaft sind oder in Läden. Von sehr günstig (3€) bis teurer (12€), aber immer sehr lecker! Ein MUSS!

Erste Nacht. Tachostand: 47 km.

 


2. Tag: Aufstieg nach Volterra

2. Tag: 23.08.06, Mittwoch

La Sterza, Spedaletto, von Norden nach Volterra hoch.

Unser erstes Etappenziel war Volterra, die Etruskerfestungsstadt. Ein Anstieg, der sich sehen lassen kann und nur die Bezeichnung „Heavy Metal“ verdient! Auf jeden Fall nix für Untrainierte.

Volterrra ist schon sehr beeindruckend, wenn auch überlaufen.

Dann ging es weiter -wir dachten, es gäbe nun eine Riesenabfahrt- doch es wurde bald hügelig, mit langen Steigungen, wobei wir die Türme von San Gimmignano links von uns sahen. Wäre durchaus auch einen Abstecher wert! La Serra, Castel de San Gimignano, auf der „68“, die zwar gut ausgebaut, aber für Radler wenig Genuss bot.
Gerrit war schon mal in San G., daher fuhren wir dran vorbei gen Siena nach Colle di Val D'Elsa. Im relativ hässlichen Vorort an der Straße rechts nen leckeren Latte Macchiato zu Einheimischenpreis: 1,20€, glaub ich. Klein, aber lecker und authentisch. Dann ein historischer Ortskern, den wir nicht so schön erwartet hätten, der auch zum Verweilen einlädt! Aus Ort rechts raus, bergauf in der Abendsonne und dann Lager links auf einer Wiese mit unglaublichem Sonnenuntergang, trotz nahen Häusern und Straße.

Tageskilometer: 56km

 


2. Tag: Sonnenuntergang hinter Valle D`Elsa

3. Tag, 24.08.06, Donnerstag


Von dort ging es weiter auf der Landstraße, die parallel zur Autobahn nach Siena führt.

In Monteriggioni gab es eine tolle Festungsstadt, die etwas beschaulicher und kleiner war.

Ein Platz benannt nach einem deutschen Heerführer zeugt von dem Lager deutscher Soldaten vor 500 Jahren. Ruhig, bepflanzt, Tische, Bänke, kein Kommerz und nett, mit Wasserhahn!

Auf der „2“ nach Siena.

Siena ist natürlich sehr toll, aber das könnt ihr selbst `rausfinden oder anderswo nachlesen. Wir hatten hier jedenfalls unseren Tiefpunkt, weil die Menschenmassen einen erschlagen und man zu keiner ruhigen Entscheidung mehr fähig wird… Ruhe, Pause, Besprechung. Optionen abwägen. Welche Route? Wir fuhren dann weiter nach Norden raus gen Florenz: Santa Lucia, Quercegrossa, Castellina in Chianti (Ort, der alles bietet, auch leckeres Eis!!) , weiter über Pietrafitta, und 3. Nacht ein paar Km vor Greve in Chianti - ein Muss für Wein- und Wurstfreunde! Spedaluzzo. Im Nachhinein auf jeden Fall eine der schönsten Strecken: Siena bis Greve!

Tageskilometer: 61km.

 

Monteriggioni
2. Tag: Monteriggioni

4. Tag, 25.08.06, Freitag

Weiter über Strada in Chianti und Grassina. Florenz hat uns nicht so begeistert. Man stumpft ab, auch wenn es das Paradies ist!

Wir sind nach wenigen Stunden weiter über Mantignano Richtung Ostsüdost raus aus der City. Jetzt wurde die Strecke sehr fade. Man weiß meist nicht, wo man ist, fährt nach Kompass Sonne. Zickzack durch Gewerbegebiete und Autobahnkessel.. Lastra a Signa. Montelupo: Hier gibt’s bei „Pasticceria Vezzosi“ wieder super Kaffee und Eis in authentischem Eiskaffee mit Selbstbedienung! Anfangs der Fußgängerzone! Von nun an Kilometerfressen am Arno entlang. Kann man sich sparen. Aber wir waren wohl einfach zu geizig für den Zug und zu einfallslos, was wir mit der gewonnenen Zeit hätten anfangen sollen… Empoli. Fucecchio. Nun reiht sich ein Ort an den anderen, ohne Zwischenräume. Castelfranco. Wir nächtigen auf einer Wiese. Nicht schön, aber einfach nur schlafen. 4. Nacht.

Tageskilometer: 92km.

 


3. Tag: Von Siena nach Norden

5. Tag, 26.08.06, Samstag

Cascina, Mezzana. Pisa.

Pisa war sehr schön!

Pizza im verschriehenen Bahnhofsviertel, aber sehr authentisch. Wir sind die einzigen Gäste und warten ca. 25 Min. auf unsere Pizza, weil der Vater (und Wirt) laut und offen mit seiner Tochter (Bedienung) diskutiert und streitet. Er wettert 15Min. ;-) Solange passiert mit unserer Bestellung nichts.. Wir finden es sehr lustig, ohne ein Wort zu verstehen. Alles sehr entspannt! Die Speisekarte ist auch ein Brüller: Deutsche Übersetzungen, die eher Witzcharakter haben!

Zum Baden weiter nach Gombo am Meer, doch gesperrt, weil Präsident da (Sommerresidenz des Präsidenten). Ein ganz kleines Licht an der Schranke lässt uns arrogant abblitzen, weil wir das nicht wissen.

Zurück nach Pisa und nach Marina di Pisa. Strand kein Besuch wert. CeBit-Feeling am Strand. Aber wir genießen dennoch Sonne und Meer zum Ausklang.

Ist schon kein Fehler, man sollte nur wissen, dass es dorthin nur eine stark befahrene Autostraße gibt, 15km, und direkt am Meer ist es auch übervoll.

5. Nacht zuerst unter freiem Himmel im Wald ca.5km von Marina d.P., dann Mückenalarm und heiß und aufs freie Feld umgezogen. Dort liegt mein U-Schloss noch heute. Denn nach deutlicher Ankündigung durch Wetterleuchten packen wir um 4 Uhr unsere Sachen, radeln bis zu unseren Fahrradkartons unter der Autobahnbrücke, am Flughafen (ca.20km), weil wir nirgends eine überdachte Möglichkeit sehen, sicher und ruhig zu schlafen. Exakt als wir am Ort eintreffen, setzt es eine Stunde lang einen Wolkenbruch und Blitze schlagen in unmittelbarer Nähe ein. Ich bin froh unter einem derart massiven Bauwerk zu liegen, aber schlafen nun unmöglich, erst später.

Tageskilometer: 70km.

6. Tag, 27.08.06, Sonntag

Frühstück zuletzt auf einem Platz nahe (1km?) des Flughafens im Künstlerviertel. In der Mitte ein Park mit Kiosk, wo an diesem Morgen alle fünf Minuten jemand eine Zeitung holt. Wasserhahn und Bänke. Von dort sind es ca.5km bis zu einem großen Supermarkt, der auch Sonntags geöffnet hat. Gut, wenn man noch ein paar italienische Leckereien mitnehmen möchte, auch wenn mich die Hektik und der Stress dort sicher 10Min. Lebenszeit gekostet hat. Sonntags!!!

Zurück zu den Pappen im Park und zum Flughafen, dort demontiert und gepackt.

Resumé

Alles nach Plan.

Keinen Platten. Keine Panne. (Fast) keinen Regen. Kein Zelt. Kein Kochtopf oder Kocher dabei.

Alles zauberhaft! Cirka 400 Digipics in 5 Tagen.

Ich hatte 7kg Hauptgepäck im Ortlieb-Sack auf dem Gepäckträger und noch ne Ortlieb Satteltasche dran. Ja, nur eine. Hat alles gepasst. Und ich habe nichts vermisst, denn jedes Gramm hätte mir die Steigungen verleidet, die ich so sogar genießen konnte. Schlafsack, Isomatte. Wasser gab es unterwegs auch genügend in allen Dörfern fast Trinkwasserhähne an der Straße. Und unser Darm bestätigt, dass man es trinken kann. 2x 1,5 Liter-Flaschen hatten wir dabei.

Natürlich empfiehlt sich die ganze Tour auch mit einer Anreise per Bahn oder Auto. Der Bahnhof liegt ähnlich günstig zentral und auch die Pappen dürfte man dort gut für ein paar Tage verstecken können, da er nämlich am Rand des Zentrums liegt.

*Warum ich auf 350km gekommen bin, weiß ich nun nicht mehr. Die Summe der Etappen beträgt 327,5km. Lediglich die Etappe von Florenz nach Pisa und ans Meer, war wegen der Straßen und der Landschaft nicht so toll wie der Teil zuvor. Könnte man also anders planen. Aber sonst: Schön war`s!

Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Gruß und Gut Pfad!
Kai

Weitere Bilder auch unter: www.weristkalle.de.vu

 

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