Stefan Peters 2002
Aktualisierung 2004, Überprüfung der links 2007
Schroffe Klippen am Rande der Toskana, in Nachbarschaft zu Michelangelos Mamorsteinbrüchen, toskanischen Städten und Stränden, zwischen Pisa und La Spezia: Ein "geheimes" kleines Hochgebirge in einer Gegend, in der alle nur Hügel, Wein und Oliven erwarten. Kalkiges, poröses Gestein wie in den Dolomiten prägt die Apuanische Alpen - mit max. 1900m Höhe allerdings deutlich niedriger als sein großer Bruder.
Das Gebirge ist ein Fahrtenziel für Hochgebirgstrekking "light": Der Abstieg an den Strand von Viareggio, in die Hügel der Toskana und die zivilisatorische Infrastruktur liegen nie weiter als eine halbe Tageswanderung entfernt und bieten dennoch die Anstrengungen und Belohnungen einer echten Hochgebirgstour.
Gruppen mit guter Kondition und Mut zum Laufen an steilen Abhängen. Der Hauptkamm ist z.T. sehr ausgesetzt und hat Hochgebirgscharakter. Besonders geeignet für das Kennenlernen italienischer Pfadfinder: Auf unseren Touren trafen wir täglich mindestens eine Gruppe italienischer Pfadfinder aus der Region.
Flugzeug
Am billigsten kommt man mit dem Flugzeug und RyanAir an in die Apuanischen Alpen. Abflughafen ist Frankfurt Hahn, Zielflughafen Bergamo oder Verona. Mit ein wenig Geschick und Buchung mindestens einen Monat im Voraus kommt man für 50 Euro inkl. Steuern und Gebühren hin und zurück. Kommen nur noch An- und Abreisekosten von und zum Flughafen dazu. Bei später Ankunft oder besonders frühem Abflug kann man in der Umgebung des Flughafens Bergamo problemlos (wild) zelten, denn die anliegenden Orte haben nur je rd. 300 Einwohner.
TuiFly (www.tuifly.com) (ehem. HLX) fliegt Köln/Bonn-Pisa. Flugpreis: 30-40 Euro inkl. Steuern/Gebühren je Strecke, also auch eine gute Lösung.
Anreise nach Frankfurt-Hahn: Von Süden und Osten mit Shuttle-Bus ab Frankfurt-Main Flughafen, Mainz Hbf, Saarbrücken Hbf oder Köln Hbf durch Bohr Omnibusse. Darüberhinaus verkehren Linienbusse ab Koblenz Hbf und Bingen Hbf über Simmern/Hunsrück. Von Westen Linienbus ab Idar-Oberstein. Der Flughafen Frankfurt-Hahn liegt im Hunsrück bei Simmern.
Anreise ab Pisa: Vom Flughafen mit dem Linienbus zum Bahnhof Pisa Centrale. Von dort in 1-2 Stunden per Eisenbahn weiter in die Garfagnana (z.B. Castelnuovo Garfagnana oder Piazza al Serchio) oder nach Forte dei Marmi, von wo aus sich die Tour durch die Apuanischen Alpen beginnen läßt. Ziele an beiden Strecken können oft sogar ohne Umsteigen erreich werden!
Linienbus
Der Eurolines-Reisebus fährt täglich und kostet max. 200 Euro ab Niedersachsen/ Nordrhein-Westfalen.
Eisenbahn
Inzwischen am teuersten ist es mit der Eisenbahn: Nach dem Wegfall des Sparpreises "Italien" sind die Reisekosten per Eisenbahn stark angestiegen und liegen bei 200-300 Euro ab Niedersachsen/ Nordrhein-Westfalen (hin und rück).
Von Lucca führt eine Bahnlinie mit zahlreichen Halten in winzigen Orten durch das gesamte Serchio-Tal hinauf nach Piazza al Serchio und weiter nach Aulla, Verkehr alle 1-2 Stunden. Eine weitere Bahnlinie verläuft von Pisa nach La Spezia am Meer entlang und ist wohl weniger attraktiv, da sie kaum in die Höhe geht. Kosten für eine Bahnfahrt liegen bei etwa 5 Cent/Kilometer; die Bahnfahrkarte kauft man sich vor Fahrtantritt in der Bar, wenn kein Fahrkartenschalter vorhanden. Italienische Staatsbahn (FS) - http://www.trenitalia.it Jenseits der Eisenbahn verlasst ihr euch am besten aufs Trampen - die wenigen Regionalbusse sind nur auf Schüler und Marktbesucher abgestimmt.
Gute Startpunkte für eine Wanderung ist der Straßenpaß Carpinelli (842m, oberhalb von Piazza al Serchio), und der Bahnhof von Equi Terme (300m). Glück haben könnte man auch mit einem Trampversuch Richtung Arni (900m) oder nach Fornovolasco (480m), beide oberhalb Castelnuovos. Andernfalls gilt: Laufen oder Taxi, denn in den Apuanischen Alpen gibt es nur eine Handvoll Dörfer und -außer sonntags- kaum Autoverkehr.
Von den vorhandenen Landkarten ist die Karte der Edizioni Multigrahic Firenze im Maßstab 1:25.000 (5,20 Euro) zu empfehlen (ISSN 1122-0546). Die Karte gibt es in Apennin-Nähe in allen Buchhandlungen und Tourist-Informationen: Blatt 101/102 "Alpi Apuane". Alternativ kann man natürlich auch die Kompaß-Wanderkarte "Apuanische Alpen" einsetzen, aber der Maßstab 1:50.000 erscheint mir für die Gegend nicht exakt genug.
Ein enges Netz gut markierter Wanderwege durchzieht die Apuanischen Alpen. Da eine Unzahl Jagd- und Wildpfade zusätzlich die Waldbereiche durchziehen ist Aufmerksamkeit beim Laufen angesagt. Die technische Schwierigkeit liegt deutlich über einer Mittelgebirgswanderung, da die Pfade oft ausgesetzt an Fels- oder Wiesenhängen oder über felsige Kämme führen. Schwindelfreiheit ist also erforderlich.
Wasser ist knapp, Bäche und Quellen sind selten oder ausgetrocknet. Nachfüllungen für die Trinkflasche gibt es fast ausschließlich in Dörfern und an Berghütten. Die Mitnahme mehrerer Trinkflaschen im Hochsommer könnte den Kreislauf erfreuen :-).
Die Baumgrenze liegt zwischen 1500m und 1700m. Darüber ist Feuermachen zwar gefahrlos, aber es fehlt der Brennstoff. Unterhalb steht Buchenholz in ausreichender Menge zur Verfügung. Absolute und höchste Vorsicht vor Funkenflug besonders im Sommer, wenn es knochentrocken ist! Feuerstelle unbedingt mit Steinen einfrieden!
Der größte Teil der Apuanischen Alpen liegt in einem Naturpark, in dem Zelten und Feuermachen offiziell verboten sind. Beide Verbote spielen in der Realität keine Rolle. Zeltmöglichkeiten bieten sich daher zahlreiche, nur eben sind sie oftmals nicht. Unter 1000m könnten auch gutes Stangenholz bereitstehen (darüber oft nur verkrüppelte Bäume/Büsche). Zelten in unmittelbarer Nähe Gebirgshütten könnte wichtig für die Wasserversorgung sein. Meiner Erfahrung nach stellt es kein Problem dar, wenn ihr die Hüttenwirte zuvor fragt.
Die einzigen offiziellen Campingplätze sind:
- "La Piella " in Castelnuovo (sehr schöner, naturbelassener Platz)
-
"Val Serenaia" oberhalb Gramolazzo (naturbelassen, unmittelbare Gebirsnähe)
-
"Lago Paradiso" am gleichnamigen See nahe Vagli
Die Apuanischen Alpen verfügen über ein gutes Netz aus Hütten, so daß man auch gewichtsoptimiert und ohne Zelt wandern kann. Unter den rund 10 Hütten sind etwa 5 Alpenvereinshütten, die jeweils eine Tageswanderung auseinanderliegen. Eine Reservierung ist ratsam, um gegen Überfüllung und Hüttenschließung gleichermaßen gewappnet zu sein. Siehe auch das Verzeichnis aller privaten und vom Alpenverein geführten Hütten: www.cailugo.it
Alpenvereinsmitglieder bekommen in den CAI-Hütten 50% Rabatt auf den Übernachtungspreis. Der europaweit günstigste Alpenverein, der Ausländer gegen einen geringen Aufpreis ebenfalls aufnimmt, ist der Alpenverein Südtirol (AVS). Siehe auch: www.alpenverein.it.
Nutzbare bewirtschaftete Hütten und Hotels von Nord nach Süd (Telefonnummer, Größe, Preise in meiner Wanderroute 2002 als pdf-Dokument.
- Rif. Carrara (CAI)
- Rif. Val Serenaia (privat) oberhalb Gramolazzo
- Rif. Nello Conti (CAI)
- Alb. Aronte (privat) in Campagrina
- Rif. Freo (CAI)
- Rif. Rossi (CAI)
- Rif. Forte dei Marmi (CAI)
- Hotel/Albergo Procinto (privat), Via IV Novembre 21, Stazzema.
- Rif. Donegani (privat)
Die Alpenvereinshütten des CAI sind in der Regel nur zwischen Mitte Juni und Mitte September sowie an Wochenenden bewirtschaftet. Außerhalb dieser Zeiten sind sie unzugänglich und können nur von Gruppen gebucht werden.
Lebensmittel
Orte und Supermärkte liegen alle im Tal, also unterhalb 400m. Entfernung vom Hauptkamm: Eine Tageswanderung. Das bedeutet, daß Verpflegung meist für viele Tag sehr weit hinaufgeschleppt werden muß.
Sprache
Die Apuanischen Alpen sind eine wenig touristische Gegend. Ausländer kommen nur selten hierher. Entsprechend sind einige Italienisch-Kenntnisse von Vorteil. Mit einer guten Gestikulationsgabe zum Englisch wird man aber auch ohne Italienisch weiterkommen und zugleich zur Belustigung des Volks beitragen.
Beste Reisezeit & Klima
Die Apuanischen Alpen bieten sich für Wanderungen von März bis Oktober an. In den Wintermonaten liegt Schnee, so daß Steigeisen und ggf. Pickel Pflicht sind. Im Juni-August kann es auch in den Höhen bis zu 25°C warm werden, so daß eine mehrstündige Siesta im raren Schatten nicht ganz dumm ist. Zwar liegen die Apuanischen Alpen im sommerlich heißen Mittelitalien, ihre Höhenlage verschafft euch aber kühlere Temperaturen als die Ebene und manchmal auch erfrischende Winde. Wie bei allen Gebirgen müßt ihr nachmittags ein Auge auf die Wolken haben und auf Gewitter achten.
Preisniveau
Wandern mit Zelt bietet in den Apuanischen Alpen alle Voraussetzungen für ein Lowest-Bugget-Fahrt: Mit RyanAir-Anreise zu Dumpingpreisen kommt man günstig nach Italien. Dort ist Zugfahren traditionell günstig. Der Preisniveau für Lebensmittel entspricht dann etwa dem deutschen. Denkt daran, daß ihr alles tagelang tragen werden: Schon kauft ihr noch weniger ein. Die Übernachtung in Hütten hingegen ist relativ teuer. Da zwischen den CAI-Hütten auch private Hotels liegen, müßt ihr hier mit 25-50 Euro/Nacht inkl. Halbpension rechnen.
Reisetipps
Pania della Croce (1858m)
Nicht der höchste Gipfel, aber wegen seiner isolierten Lage einer der majestätischsten. Weit schweift von seinem Gipfel der Blick vom Tyrrenischen Meer über die nördlichen Gipfel der Apuanischen Alpen und den Apennin. Besonderen Reiz entwickelt eine Übernachtung auf dem Gipfel unter sternklarem Himmel.
Der Apennin
Den Apuanischen Alpen direkt gegenüber auf der anderen Seite des Serchio-Tals liegt der lange grüne Apennin, der sich von Liguren bis weit in den Stiefel hinabzieht. Wer die Apuanischen Alpen abgegrast hat, kann hier in lieblicherem, aber nicht weniger anstrengendem Gelände, eingige weitere Tage wandern. siehe auch: Tosko-emilianischer Apennin Trekkingsteckbrief hier auf www.brummli.net.
Grotta del Vento
Riesiges verzweigtes Tropfsteinhöhensystem unter der Pania-Gruppe. Höhleneingang bei Fornovolasco (Zugang nur über täglich stattfindende Führungen). Siehe auch: www.grottadelvento.com.
Routenvorschläge
Höhenwanderung Gramolazzo - Stazzema/Fornovolasco (1 Woche). 5-6 Tage über den Hauptkamm der Apuanischen Alpen bin ich im Sommer 2002 gegangen. Wanderroute mit zahlreichen Gipfeln, zahlreichen Mamor-Steinbrüchen und einer Almlandschaft. Download als pdf-Dokument.
Noch Fragen? Kontakt zum Autor:
Stefan Peters (webmaster*at*brummli.net)
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Blick vom Pania della Croce nach N
Pania della Croce
Rif. Freo
Almsiedlung Puntato
Mamorsteinbruch
Wanderrouten für die
Apuanischen Alpen
5-tägige Hüttentour (Stefan Peters)
als pdf hier auf www.brummli.net
Vorschläge von Reisebuchautor Christoph Hennig
4 reich bebilderte ein- und mehr-tägige Routen von Roberto Baglioni
Wander- Fahrrad- und Klettersteig-routen und Hintergrundinfos
www.parks.it
Reiseberichte für die
Apuanischen Alpen
-keine Reiseberichte vorhanden-
Links für die Apuanischen Alpen
Naturpark Apuanische Alpen
Garfagnana online
Dörfer der Garfagnana
Garfagnana online
Apuanische Alpen online
Heimatmuseum der Garfagnana (San Pellegrino in Alpe)
http://luccapro.cribecu.sns.it
Grotta del Vento bei Fornovolasco
Verzeichnis aller Gebirgshütten
Landkartenhandel online
Pfadfinderzeltplätze in der Toskana
Literaturtipps für die
Apuanischen Alpen
Wanderführer "Toskana Nord", ISBN 978-3-7633-4115-3, Bergverlag Rother, 13€.
Fahrtenziele in Italien
Südtirol: Vinschgau
Dolomiten
Tour de Mont Blanc
Gardasee
Toskana
Tosco-emilianischer Apennin
Toskana: Apuanische Alpen
Toskana: Pratomagno
Ligurischer Apennin
Sizilien
Sizilien: Madonie Nationalpark
Sardinien: Barbagia