Jonthan Stock 2007
Einsame tschechische Wälder, schmale Grate, hohe Felstürme, große Höhlen, Burgruinen, Panoramaaussichten, Höhenwege... Der Nationalpark "Elbsandsteingebirge“ scheint wie geschaffen für Pfadfinder.
Ideal für etwas ältere Sippen oder junge Rover/Ranger-Gruppen, die das erste Mal „Gebirge“ erleben wollen, aber denen die Alpen zu weit oder zu teuer sind. Durch den ausgewaschenen Sandstein hat man hier eine fantastische, teilweise bizarre Landschaftsformen, selten geht man langweilige Waldwege, stattdessen hat man immer etwas zu gucken, zu klettern, zu genießen...
Das Elbsandsteingebirge besteht aus der Sächsischen Schweiz (auf der deutschen Seite) und aus der Böhmischen Schweiz (auf tschechischer Seite). Es liegt in Sachsen, eine Stunde südöstlich von Dresden. Die nächste Stadt ist Bad Schandau auf deutscher Seite und Hrensko auf tschechischer Seite.
Mit dem Auto
Man erreicht das Elbsandsteingebirge von Dresden aus auf der B172 über Heidenau und Pirna. In Bad Schandau hat man einen idealen Ausgangspunkt und viele Parkmöglichkeiten.
Mit dem Zug
Eine gute Alternative zu den (zumindest am Wochenende) ewig verstopften Straßen im Nationalpark ist die S-Bahn, die im Halbstundentakt von Dresden aus das Elbtal hinauffährt, bis an die Tschechische Grenze bei Schöna. Vom Bahnhof in Schöna kann man auch mit einer Grenzüberschreitenden Fähre direkt nach Hrensko übersetzen.
Wer von Westen her anreist, der hat sogar fünfmal am Tag Gelegenheit mit ECs aus Hamburg/Berlin Richtung Prag/Wien/Budapest anzureisen, die direkt in Bad Schandau halten.
Zugverbindungen und Preise von der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn AG.
Die üblichen öffentlichen Verkehrsmittel sind in der Sächsischen Schweiz im Verkehrsverbund Oberelbe zusammengeschlossen. Fahrpläne, Infos, etc. unter
http://www.vvo-online.de/
In der Böhmischen Schweiz auf tschechischer Seite gibt es viele günstige Kleinbusse. Informationen darüber findet man in den Touristenbüros in Decin oder Hrensko.
Ist im Elbsandsteingebirge von Mai bis Oktober am Schönsten. Das ist natürlich auch die Hauptsaison für Kletterer und Familien. Tagsüber tritt man sich auf den Hauptwanderwegen dann schon mal die Füße platt. Außerhalb dieser Zeit ist es eher ruhig in der Gegend. Im Winter, wenn die Wege verschneit sind, trifft man höchstens eine Handvoll einsamerer Winterwanderer. Die Landschaft büßt natürlich in dieser Zeit nichts von ihren Reizen ein im Gegenteil!
Bad Schandau ist eines der Ortschaften, die am stärksten vom Hochwasser betroffen waren. Mittlerweile ist aber alles wieder aufgebaut und restauriert und man sieht nur wenige Zeichen der Katastrophe. Das angrenzende Böhmen auf tschechischer Seite hat es viel schlimmer getroffen.
Böhmen gehörte übrigens bis 1918 zu Österreich-Ungarn. In vielen Wohnungen sieht man noch Bilder vom letzten Kaiser Franz Joseph I. und die älteren Menschen sprechen auch noch Deutsch. Von 1939 bis 1945 errichtete Hitler hier sein „Protektorat Böhmen und Mähren“. Die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes wurde während dieser Zeit in das KZ Auschwitz deportiert. Von 1949 bis 1989 stand die Tschechei unter dem Einfluss der kommunistischen Zentralpartei der Sowjetunion. Alle Reformbemühungen wurden mit Gewalt unterdrückt (Prager Frühling 1968). Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 gelang auch die Tschechoslowakei in Form einer sanften Revolution in die Unabhängigkeit. 1993 spaltete sich der Staat in Tschechien und die Slowakei. Am 1. Mai 2004 ist Tschechien der EU beigetreten.
Das Grenzgebiet zu Deutschland ist sehr touristisch und in Hrensko werden einem zuerst die vielen Verkaufsstände mit Technomusik und Elektronikkrams auffallen. In den kleinen Dörfern dahinter wird man aber oft Zeuge der traditionellen osteuropäischen Gastfreundschaft werden und auch mal spontan eingeladen.
Generell ist alles um einiges günstiger in Tschechien. In der Regel ist es kein Problem, mit Euro zu bezahlen.
Im tschechisch-deutschen Grenzgebiet kommt man gut mit Deutsch und Englisch über die Runden. Wie überall freuen sich die Einheimischen aber über ein paar Brocken tschechisch (Hallo, Danke..), die auch nicht schwer zu lernen sind.
Hallo
Dobr’ den
Auf Wiedersehen
Na Shledanou
Bitte
Prosím
Danke
Dêkuji vám
Im Winter empfehlen sich Gamaschen um den Eintritt von Schnee in die Wanderschuhe zu verhindern, fetthaltige Crémes (Vaseline, Hirschtalg, keine Labellos, die sind zu wasserhaltig) gegen spröde Lippen und Hände, Sonnenbrille und evtl. einen Nierengurt (schützt die kälteempfindlichsten Stellen), ein Seil kann manchmal helfen um besonders steile Passagen bei Schneefall zu überbrücken
Es gibt eine Vielzahl von Wanderwegen im Elbsandsteingebirge. Von ausgelatschten, breiten Wegen bis zu kleinsten Kletterspfaden ist alles dabei. Auf deutscher Seite sind alle Wege gut und farbig markiert. Manchmal geht es rauf und runter, entweder über Treppen oder über Klettersteige, teilweise gibt es aber auch Höhenwege, die sich auf einer Höhe entlangbewegen.
Zelten
Im Nationalpark ist das Zelten verboten. Dann und wann sind auch Parkranger unterwegs um das zu kontrollieren. Man kann aber wunderbar in Höhlen oder draußen unter freiem Himmel ohne Zelt übernachten.
In der Nähe von Lohmen hat der RdP einen Zeltplatz für Pfadfinder. Kosten zwischen 2 und 3 Euro. Infos gibt’s unter http://www.rdp-sachsen.de/lohmen/
Häuser/Hütten
In Bad Schandau gibt es eine Jugendherberge. Wir haben das letzte Mal beim Pfarrer gefragt, der uns im geräumigen Gemeindehaus (mit Küche und Dusche) übernachten ließ. Seltsamerweise wollte er uns noch 2 Euro „Kurtaxe“ pro Person abknöpfen...
An Hütten gibt es noch eine beim Großen Winterberg und noch zwei kleinere Kletterhütten, die sind aber schwer zugänglich.
Einheimische/Sonstiges
In Tschechien sind die Leute sehr gastfreundlich und lassen einen auch mal im Hotel umsonst übernachten. Ansonsten gibt es im gesamten Elbsandsteingebirge auch Höhlen. „Boofen“, das Schlafen in Höhlen ist ein beliebter Volkssport. Kleine Höhlen findet man öfter, die Großen sind auf der Karte eingezeichnet. Besonders schön mit einem herrlichen Ausblick ist die Idagrotte beim Frienstein (der Einstieg ist manchmal knifflig zu finden, weitersuchen, es lohnt sich!).
Außerdem gibt es auch mehrere überdachte, verfallene Gebäude aus dem Mittelalter, z.B. einen kleinen Pavillon unterhalb des Kleinen Winterberges oder das Hintere Raubschloss.
Lieber vorher im Ort mitnehmen. Ansonsten sind Quellen auf der Karte eingezeichnet. Deren Wasser kann man ohne Probleme trinken. Im Winter Schnee oder besser Eis (ergiebiger) schmelzen.
Ist im gesamten Nationalpark verboten. Trotzdem liegt in den Höhlen oft noch Feuerholz von Vorgängern, die sich um diese Regel nicht geschert haben. Brennstoffkocher sind aber unter Berücksichtigung der nötigen Vorsichtsregeln erlaubt. Unter 4 Grad fängt Spiritus nicht an zu brennen, wenn es nicht vorgewärmt ist (Teelicht drunterstellen).
Im Winter sollte man darauf achten, dass man möglichst fettige Lebensmittel dabei hat (Käse, Wurst, etc.). Brot kann frieren, deshalb nachts in den Schlafsack mitnehmen...
Auf tschechischer Seite ist das Essen in Gaststätten lecker und günstig, wenn auch sehr fleischlastig.
Unbedingt sollte man sehen: Schrammsteinaussicht, Affensteine, Frienstein, Kleiner Winterberg und Hinteres Raubschloss. Der blau markierte „Schrammsteinweg“ führt an vielen dieser Plätze vorbei. Auf tschechischer Seite ist das Prebischtor seheneswert.
In Bad Schandau gibt es ein modernes, interessantes Museum über den Nationalpark
Infos unter http://www.saechsische-landesstiftung.de/de/Nationalparkhaus.html
Spannend ist auch der Schlossberg in der Nähe von Bad Schandau bei Nacht und Gewitter...
Neben den unter Routentipp genannten Plätzen ist natürlich auch die Elbe eine feine Sache! Auf tschechischer Seite gibt es im Sommer Holzboote, die auch kleine Gruppen günstig die Elbe hochfahren können.
Das Elbsandsteingebirge ist eines der beliebtesten Klettergebirge. Für Einstiegskurse wendet euch an die Ortssektion des DAV (Deutscher Alpenverein) oder an bekannte Hobbykletterer.
Nachts in der Idagrotte bei Vollmond Skat spielen...rockt....
Für den Überblick
„Elbsandsteingebirge“
Kompass, Wander- und Radtourenkarte,
Maßstab: 1:30.000, ISBN 3-85491-518-7
Für Details
Alle Wanderkarten von Rolf Böhm, z.B. „Kleiner Zschand“, „Schrammsteine“
Maßstab: 1:10.000, Karten sind sehr liebevoll gezeichnet und detailliert.
Verlag: http://www.boehmwanderkarten.de/
„Sächsische Schweiz“,
Landesvermessungsamt Sachsen,
Blatt 45, Maßstab 1:25:000
http://www.trekkingforum.com/elbsandsteingebirge/
Trekkingforum fürs Elbsandsteingebirge
Einen Fahrtenbericht und Fotos gibt es im LandesRundBrief 1/03 des Landesverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg des BdP unter
http://www.bdp-sh-hh.de/service/download/lrb0103.zip (3,8 Mb)
Es gibt eine Aufbaugruppe des BdP in der Nähe von Pirna.
Mehr Infos unter: http://www.bdp-sachsen.de/
Noch Fragen? Kontakt zum Autor:
Jonathan Stock (jonathan*at*bdp-sh-hh.de)
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Hinweis
Die Fotos dieses Steckbriefs stammen Stefan Peters.
Sandstein
Distel
Herbstwald
Wander- und Fahrradrouten für das Elbsandsteingebirge
Farradroute Elberadweg
von Bad Schandau nach Magdeburg (Edeltraud Blank)
hier auf www.brummli.net
Zahlreiche Routenvorschläge
Ausführliche Routenvorschläge eines Liebhabers (mit GPS-Daten)
Reiseberichte für das Elbsandsteingebirge
Fahrtenbericht und Chronik 2003 (Jonathan Stock, 3,8 MB)
Links für das Elbsandsteingebirge
Nationalpark Elbsandsteingebirge
www.nationalpark-saechsische...
Nationalparkhaus
www.saechsische-landesstiftung.de
Bad Schandau
Verkehrsverbund Oberelbe
Pfadfinderzeltplatz Lohmen
Besondere Wanderkarten 1:10.000
Klettern im Elbsandsteingebirge
Literaturtipps für das Elbsandsteingebirge
„Elbsandsteingebirge“, Bergverlag Rother, 125 Seiten, ISBN: 3-7633-4191-9.
„Wandern in der Sächsischen Schweiz“, Dumont aktiv, ISBN: 3-7701-5319-7,
„Wanderführer Sächsische Schweiz“
Kompass-Verlag, 200 Seiten, ISBN 3-8134-0233-9.
Fahrtenziele in Ostdeutschland
Harz
Eichsfeld
Elbsandsteingebirge und
Sächsische Schweiz
Fahrtenziele in Tschechien und der Slowakei
Elbsandsteingebirge und
Sächsische Schweiz