Hans-Jörg Reinicke 2007
Auch über 16 Jahre nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze hat das sich uns damals neu erschließende Wanderrevier des Mittel- und Unterharzes nichts von seiner Faszination eingebüßt. Im Gegenteil: nach Dutzenden von Wochenendtouren ist seine erstaunliche Vielseitigkeit im Laufe der Jahre nur noch deutlicher geworden. Geeignet für leichte bis mittelschwere Touren für alle Altersgruppen.
Der Harz in Sachsen-Anhalt und Thüringen lässt sich in drei Bereiche untergliedern:
Hochharz
Der Hochharz mit dem Brockenmassiv zwischen Ilsenburg, Wernigerode und Schierke hebt sich - allein durch seine Silhouette - stark von den anderen Gebieten ab. Tiefe Täler, Klippen, Blockmeere und steile Anstiege prägen das Wandern in diesem Bereich.
Mittlerer Harz
Der mittlere Harz ist ein hügeliges, von Flüssen und Bächen durchzogenes Hochland, das nach Norden und Süden steil abfällt. Die drei Flussarme der Bode mit ihren zahlreichen Stauseen vereinigen sich und bahnen sich im tief eingeschnitten Bodetal ihren Weg aus dem Harz.
Unterharz
Der Unterharz - südöstlich von Rambergmassiv und Selketal - ist nur noch flach hügelig und geht allmählich ins Thüringer Becken über.
Mit der Deutschen Bahn lassen sich verschiedene Orte am Harzrand mehr oder weniger zügig erreichen. Schnell ist man in der Regel - von Norden kommend - in Ilsenburg oder Wernigerode. Auch Nordhausen im Süden ist in noch erträglicher Zeit zu erreichen. Wer seine Tour dagegen in Blankenburg, Thale, Gernrode, Wippra oder gar Stolberg beginnen oder enden lassen möchte, muss erheblich mehr Geduld aufbringen - es gibt zwar regelmäßige Bahnverbindungen, aber die Fahrzeiten sind doch erheblich, so dass dann bei einer Wochenendunternehmung schon ein Großteil der Zeit für An- und Abreise draufgeht. Zugverbindungen und Preise von der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn AG.
Wer nicht direkt am Harzrand beginnen möchte, kann mit Regionalbussen oder der Harzquerbahn ins Harzinnere weiterfahren.
Zwischen den einzelnen Orten (bzw. Dörfern) verkehren zwar nicht unbedingt regelmäßig, aber immerhin mehrmals täglich Busse - leider von mehreren verschiedenen Gesellschaften (Q-Bus, WVB), was die Planung nicht unbedingt erleichtert. Im Internet gibt es zum Glück mittlerweile eine zusammenhängende Fahrplanauskunft.
siehe auch: Q-Bus Ballenstedt http://www.qbus-ballenstedt.de/
siehe auch: Wernigeröder Verkehrsbetriebe http://www.wvb-gmbh.de/
siehe auch: Nahverkehrsauskunft Sachsen-Anhalt, http://www.insa.de/
Die Züge der Harzer Schmalspurbahnen wurden von uns immer gerne genutzt, um in den Harz zu kommen. Dichte Zugfolgen findet ihr leider mittlerweile nur noch auf der Strecke Wernigerode - Brocken (stark überfüllt). Auf den anderen Strecken ist das Zugangebot gering; insbesondere die historischen Dampfzüge verkehren dort nur 1-2mal täglich und können nicht mehr flexibel in den Fahrtenalltag eingebunden werden. Eine Fahrt mit den ca. 20-30 km/h „schnellen“ Dampfzügen der Harzquerbahn (z.B. von Nordhausen nach Benneckenstein) oder der Selketalbahn (z.B. von Quedlinburg nach Alexisbad) kann trotzdem nur wärmstens empfohlen werden.
Zudem betreiben die Harzer Schmalspurbahnen einen Vorortverkehr von Nordhausen nach Ilfeld (direkt am Harzrand), der zur Anreise von Süden her genutzt werden kann.
siehe auch: Harzer Schmalspurbahnen, http://www.hsb-wr.de

Harzer Schmalspurbahn im Bahnhof Eisfelder Talmühle
Es besteht ein dichtes Netz aus gut ausgeschilderten Wanderwegen, die sich bei grundlegenden Orientierungskenntnissen durch zahllose Forstwege und andere „kleinen Abkürzungen" ergänzen lassen. Die Wandermöglichkeiten sind dadurch extrem vielfältig, so dass detaillierte Routenvorschläge wenig Sinn haben. Besser ist es, sich je nach Fahrtengruppe eine auf Einzelzielen oder –strecken aufbauende Route individuell zusammenzustellen. So lassen sich interessante Rund- und Streckenwanderungen für jeden Schwierigkeits- oder Landschaftsanspruch erstellen. Neben dem Brockengipfel und dem unteren Bodetal sind interessante Ziele:
- im Brockengebiet u.a.: Ilsetal, Steinerne Renne, die Hohneklippen;
- die Bachtäler des mittleren Harzes: Rappbode, Tiefenbach, Behre;
- die Talsperren nördlich von Trautenstein und Hasselfelde;
- das mittlere Bodetal bei Rübeland (Tropfsteinhöhlen);
- das Selketal von der Burg Falkenstein flussaufwärts bis Alexisbad;
- die Josephshöhe bei Stolberg
und viele andere.
Während die Wege auf den Brocken - besonders aus Richtung Schierke - oft gerade an Wochenenden völlig überlaufen sind, hat man die Aufstiege von Wernigerode und Ilsenburg etwas mehr für sich (schöner sind sie außerdem, wenn auch weiter/höher). Die zahlreichen felsigen Aussichtspunkte (z.B. Ilsestein, Paternosterklippe, die Hohneklippen, die Zeterklippen) abseits der Touristenrouten hat man nicht selten ganz für sich allein.
Im mittleren Harz wird es dann überall sehr viel ruhiger. Die Gegend scheint für Wanderer nicht die größte Anziehungskraft zu haben, fehlt es doch an offensichtlichen landschaftlichen Höhepunkten. Der Reiz dieser Gegend liegt denn auch in ihrer ruhigen und harmonischen Abwechslung zwischen Wald und Wiesen, Hügeln und kleinen Bachtälern. Nichtsdestotrotz hält sie einige Überraschungen bereit; so z.B. einen Aussichtsturm zwischen Benneckenstein und Hasselfelde, von dem man bei klarer Sicht den gesamten in diesem Steckbrief beschriebenen Raum betrachten kann. Auch die Hochebenen um Benneckenstein, Stiege und Hasselfelde haben ihren Reiz, besonders bei klarer Sicht auf einen Sonnenuntergang hinter dem Brocken.
Im Süden und Osten wird der Harz noch „unauffälliger“, so dass sich einzelne dominierenden Facetten (z.B. das Selketal, die Josephshöhe, Burg Falkenstein) stärker einprägen.
Der nördliche Harzrand dagegen hat noch mal einige spektakuläre Highlights zu bieten. Vor allem finden sich diese im „Canyon“ des unteren Bodetals zwischen Thale, Treseburg, Altenbrak und Wendefurth. Aber auch die Wege über den Ramberg (die höchste Erhebung des Unterharzes) sind eines Mittelgebirges würdig.

Brockenblick
Zu empfehlen sind die Topographischen Karten „Wandern im mittleren Harz" und „Wandern im Unterharz" im Maßstab 1:50.000, herausgegeben vom Landesamt für Landesvermessung und Datenverarbeitung Sachsen-Anhalt. Auf der Kartenrückseite verbergen sich noch Unmengen an Infos.
Vom Kauf anderer Karten (z.B. Kompass) muss aus Erfahrung leider abgeraten werden.
Auch die Mittelharz - Karte hat seit der Ausgabe 1994 stark an Qualität eingebüßt, da das Land Sachsen-Anhalt mittlerweile die stark russisch eingefärbte Kartenlegende der Ex-DDR wieder eingeführt hat. Was vom bloßen Augenschein nicht sofort ersichtlich ist - die jetzige Version sieht höchstens etwas schäbiger aus - hat sich in der Praxis mehrfach als großes Handicap erwiesen: In unübersichtlich oder gar nicht beschilderten Gegenden orientiere ich mich zuverlässig nur mit der Version des Niedersächsischen Landesvermessungsamtes (Ausgabe 1993 oder früher).
Die meisten Gewässer im Harz sind nur sehr gering belastet. Vorsichtshalber sollte Trinkwasser dennoch nicht aus Bächen entnommen werden. In keinem Fall sollte am Bodewasser flussabwärts von Rübeland genippt werden: Es besteht nach wie vor eine gewisse Verschmutzung durch industrielle Abwässer! Die verhältnismäßig hohe Dichte von Ortschaften, Gast- und Forsthäusern ermöglicht auch ein regelmäßiges Auffüllen der Wasservorräte.
Fürs Zelten gilt wie in ganz Deutschland: Lasst euch einfach nicht sehen! Kleine Fahrtengruppen können das Zelt u.U. ganz zu Hause lassen und in den zahlreichen Schutzhütten übernachten, die auch in der Karte verzeichnet sind. Das macht allerdings etwas unflexibel und sollte schon in der Fahrtenplanung berücksichtigt werden. Auch sind die typischen Harzer Schutzhütten bequem nur für drei, im Höchstfall für fünf Personen geeignet. Letzteres ist aber schon eine schwere Prüfung...
Wer vorsichtig zum Kochen Feuer macht, wird kaum Probleme bekommen. Die Erfahrung zeigt, dass Harzer Förster großes Verständnis für knurrende Pfadfindermägen haben, wenn sie sehen, dass alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind.
Mittlerweile haben sich in vielen der „größeren“ Ortschaften wie Benneckenstein, Hasselfelde oder Friedrichsbrunn moderne Lebensmittelmärkte durchgesetzt; in kleineren Ortschaften gibt es dagegen oft keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Da sich der Harz besonders für Wochenendtouren eignet, hat man jedoch meistens ohnehin schon alles dabei...
Die Wetterlage ist zweigeteilt. Der Ober- und Hochharz, als die erste Erhebung aus der norddeutschen Tiefebene, bekommt jede Menge Niederschlag ab, auch in den Sommermonaten. Der in seinem "Schatten" liegende Unterharz gehört dagegen eher zu den trockeneren Regionen Deutschlands - die Wolken bleiben eben oft am Brocken hängen. Dies sind aber nur die generellen Voraussetzungen - es war schon oft genug genau umgekehrt!
Brocken
Mit 1140 m der höchste Berg im Harz (schon oberhalb der Baumgrenze). Daher bei gutem Wetter hervorragende Fernsicht. Aber auch bei Nebel und unter 50 m Sichtweite ist es in den Blockmeeren auf dem Weg zum Gipfel „unheimlich“ schön.

Brockengipfel
Bodetal
Bodetal: Tief eingeschnittene Schlucht, ca. 9 km langer Wanderpfad von Thale nach Treseburg, Aussichtspunkte auf Rosstrappe und Hexentanzplatz (200 m über dem Tal)
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Hans-Jörg Reinicke (hjreinicke*at*gmx.de.)
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Hinweis
Die Fotos für den Harz Trekkingsteckbrief stammen von Hans-Jörg Reinicke, Christa Reinicke, Hans-Christoph Reinicke, Helmar Schröder und Jens Sitarek. Der Harz-Steckbrief wurde erstmals 2001 verfasst und 2007 komplett überarbeitet.
Mittlerer Harz
Ilsetal
Bodetal
Brocken
Brocken
Paternosterklippen
Unterwegs
Bodetal
Drei Annen Hohne
Wanderrouten für den Harz
-keine Wanderrouten vorhanden-
Reiseberichte für den Harz
-keine Reiseberichte vorhanden-
Links für den Harz
Fahrplanauskunft für Nahverkehr in Sachsen-Anhalt
Harzer Schmalspurbahnen
Nationalpark Harz
Harz Urlaubsportale
5 Oberharzer Bergstädte
Bodetal
www.bodetal.de
Landkreise
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Literaturtipps für den Harz
Harzreise (Heinrich Heine, 1824), 80 Seiten, Husum-Verlag, ISBN 978-3880420953, 5€.
Fahrtenziele in Niedersachsen
Oldhorster Moor
Calenberger Land
Ith und Vogler / Weserbergland
Harz
Fahrtenziele in Ostdeutschland
Harz
Eichsfeld
Elbsandsteingebirge und
Sächsische Schweiz